AKademie des Tanzes

Leitung: Prof. Birgit Keil

Kooperationen und Austausch / Exchange and Cooperation

 

Kooperationen:

Badisches Staatstheater Karlsruhe

Nationaltheater Mannheim

Tanzstiftung Birgit Keil Stuttgart

Tulla-Realschule Mannheim – ständiges Projekt: „Tanz Schult“

Besonders hervorzuheben ist die Kooperation mit dem Badischen Staatstheater Karlsruhe zu der die Presse (Badische Neueste Nachrichten/BNN (15.16.06.2002) schrieb:

Badisches Staatstheater und Akademie des Tanzes Mannheim

Liebe und Leistungsbereitschaft

Studierende des Fachs Ballett erleben Karlsruher Bühnenpraxis

Geschenke fallen selten vom Himmel, aber sie kommen manchmal unverhofft. Es sei für sie wie „Weihnachten, Geburtstag und alles, und das jeden Tag“ gewesen, beteuerte gestern Birgit Keil, nach Ansicht des Internationalen Ballettwörterbuchs (International Dictionary of Ballett) „ohne Zweifel die bedeutendste Ballerina ihrer Zeit“. Achim Thorwald, designierter Generalintendant des Badischen Staatstheaters, kennt die viel gerühmte charmante Tänzerin noch von Stuttgart her, wo sie Anfang der 60-er Jahre bei John Cranko ihre große Karriere begann. Seit 1997 leitet sie die Akademie des Tanzes an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim, und in dieser Funktion wurde sie jetzt für Thorwald und seinen Verwaltungsdirektor Wolfgang Sieber interessant: Beide entwickelten die Idee eines „Ballettstudios“ mit dem Ziel, jungen Studierenden des Faches Tanz frühzeitig Gelegenheit zu geben, ihre Fähigkeiten unter den Bedingungen eines Bühnenbetriebs zu erproben. Thorwald versteht diesen Schritt auch als Signal: „Es wird in Deutschland beim Einsparen in erster Linie ans Ballett gedacht“, erklärte der künftige Karlsruher Hausherr in Mannheim. „Da wollen wir etwas dagegensetzen.“

Zu diesem Zweck wurde ein zunächst auf zwei Jahre befristeter, mit der Option auf fortlaufende Verlängerung ausgestatteter Vertrag zwischen der Mannheimer Hochschule und dem Karlsruher Theater abgeschlossen. Er sieht vor, dass hochbegabte Studierende ein Jahr lang sämtliche Ballettproduktionen von Anfang an kennenlernen. Zudem erhalten sie ein kleines Stipendium und sie werden bei einer Choreographie eingesetzt. Konkret ist das die Produktion „Und ich sah“, die der Karlsruher Spartenchef Pierre Wyss nach der Apokalypse des Johannes erarbeiten und am 18. Januar herausbringen will.

Ein Geschenk für Wyss, der sich in Karlsruhe noch nicht wirklich profiliert hat. Zwar muss er eineinhalb Planstellen abgeben, dafür erhält er für eine Produktion sieben hoch motivierte Tänzerinnen und Tänzer, die gestern im Ballettsaal IV der Mannheimer Hochschule eindrucksvoll belegten, was sie alles drauf haben.

Verstärkt um die Schweizerin Anne Marchand, die bereits den Vertrag für ein festes Engagement in der Tasche hat, demonstrierten die Brasilianer Paloma Souza, Patricia Namba, Diego de Paula, Marcos Meñha, Alexandre Simoes und Felippe Rocha sowie die Slowenin Barbara Skrlj, dass sich bei ihnen Technik mit Witz, Schwung, Begeisterung und einer erstaunlichen Ausstrahlung paaren.

Für Birgit Keil ist diese Verbindung unabdingbar. Die höchsten Sprünge, die schnellsten Pirouetten? „Da kann man doch gleich Sportler nehmen“, meint die bereits vor zwei Jahrzehnten zur Kammerballerina ernannte Tänzerin. Sie sucht Persönlichkeiten, die begeistern, dafür erhalten die jungen Eleven sehr viel individuelle Betreuung, auch sehr viel Liebe. „Wir können sie doch nicht wie Truck Driver behandeln“, stellt die Leiterin der Tanzakademie fest, die mit Stolz auf das historische Erbe verweist, auf das sich ihr Institut berufen darf: In Mannheim wurde bereits 1762, zu Zeiten des Kurfürsten Carl Theodor, eine „Académie de Danse“ eingerichtet – nach Paris und St. Petersburg die dritte ihrer Art in Europa.

Keil lässt freilich auch keinen Zweifel darüber aufkommen, was in ihrem Fach oberstes Gebot ist: absolute Leistungsbereitschaft. „Wer nur die kleinsten Bedenken hat, braucht nicht zu kommen.“ Der lockere Erfolg, das schnelle Geld und massenweise Freizeitspaß – all das, was unter dem Begriff „instant satisfaction“ (sofortige Befriedigung) fällt, ist in diesem Fach nicht zu haben. Vielleicht, so vermutet Keil, liegt hier der Grund dafür, „dass leider in Deutschland das Talent derzeit nicht in dem Maße vorhanden ist, wie wir uns das wünschen.“

Nur wer bereit ist, Opfer auf sich zu nehmen, hat in diesem Beruf eine Chance: Insofern mag das Karlsruher Bühnenjahr, das studienbegleitend absolviert wird, den sieben als Geschenk vorkommen – er ist nicht zuletzt das Ergebnis harter Arbeit. Denn, auch das steht für Birgit Keil fest (und sie beruft sich dabei auf George Balanchine): „Der Tanz ist eine Frage der Moral.“ Und eine Frage der Freude, wie man jetzt in Mannheim erleben durfte.

 

Michael Hübl